Gauntlet Legends

Entwickler:  Midway
Vertrieb:  Konami
Genre:  Hack'n'Slay
Spieler:  1-4
System:  Dreamcast

Story



Hier die Eckdaten: Der bitterböse Dämon Skorne konnte sich aus seinem Gefängnis befreien und tut nun bitterböse Dinge. Oder so ähnlich. Ist ja auch egal. Jedenfalls bieten sich nun acht wackere Söldner in lustigen Primärfarben an ("Glück auf, Gelber Zwerg!" - "Nur weiter, Rote Walküre!"), um dem Unhold eins auf die Mütze zu geben. Dass in den rund 30 Levels, welche sich auf fünf Welten verteilen, nebenbei noch 13 Runensteine und vier Scherben gefunden sowie diverse Obeliske berührt werden müssen, interessiert da zunächst einmal niemanden.

Nur die ältesten Arcadegänger werden sich an die Zeiten erinnern, als Ataris "Gauntlet" die Spielhallen eroberte. Mit vier verschiedenen Helden stürzten sich ebensoviele Spieler in die Schlacht gegen wortwörtlich unzählige Monster. Diese strömten aus (zerstörbaren) Monstergeneratoren in die simpel gezeichneten Draufsicht-Levels und schieden nach ein, zwei Hieben unspektakulär aus dem Bildschirmleben. Schatztruhen, Schlüssel, Magietränke und Levelwarps lockerten die simplen Metzelorgien auf. Ein besonders nettes Feature war übrigens die Möglichkeit, durch Einwurf neuer Münzen direkt seine Lebensenergie zu erhöhen und so theoretisch unbegrenzt weiterprügeln zu können.

Gameplay



In groben Zügen gilt all dies auch für den 2000er-Neuaufguss, welcher bereits letztes Jahr in den Spielhallen zu finden war. Natürlich wich die Blockgrafik von einst einer ansehnlichen 3D- Kulisse, welche im Arcade-Automat jedoch spürbar ruckte. Dies ist nun zwar endgültig vorbei, doch bleiben die kühnen Recken noch immer gern an dem einen oder anderen Felsvorsprung hängen. Das liegt allerdings weniger an der simplen Analogsteuerung (Angriff, Turbo, Magie), sondern an den oft unglücklich gewählten, automatischen Kameraeinstellungen.

Das eigentliche Gameplay lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Man haut, sticht und schießt auf alles ein, bis sich in der ganzen Stage nichts mehr rührt. Freilich gibt es gelegentlich Truhen und Tore, welche mit Schlüsseln geöffnet werden müssen, und kleinere Power Ups erleichtern zeitweilig das mühselige Metzeln, im Grunde genommen war es das jedoch. Der Clou dieses - vorsichtig ausgedrückt - äußerst repetitiven Spielchens liegt in seinem Vierspielermodus. Als Quartett ist es in der Tat ganz unterhaltsam, Monsterschädel zu spalten, Gold zu scheffeln und Erfahrungsebenen zu erklimmen, zumal sich die Helden jederzeit abspeichern lassen und ab Level 25 zum Teil neue Berufe erlernen können.

Technik



Grafisch kommt "Gauntlet Legends" nicht über das Mittelmaß hinaus. Gerade an der Dreamcast sind mittlerweile derart viele hochklassige 3D-Spiele erhältlich, dass die verwischten Texturen und groben Polygonmodelle von Freund und Feind hier deutlich abfallen. Zudem müssen bei jedem Neustart wieder die 50/60-Hertz-Einstellungen festgelegt sowie die Wahl der Bildschirmgröße getroffen werden - und das nervt.

Der Sound hinterlässt ein zwiespältiges Bild: Zum einen passen die mittelalterlichen Begleitmusiken ganz hervorragend zum martialischen Geschehen, zum anderen langweilen die immer gleichen Soundeffekte schon nach rekordverdächtig kurzer Zeit. Die gelegentlich eingestreute Sprachausgabe klingt zudem unfreiwillig komisch und wurde nicht gerade professionell ins Deutsche übertragen: "Gelber Zwerg hat ein Niveau erreicht!" ist irgendwie nicht gerade das, was ich bei einem Levelaufstieg hören möchte... Überhaupt scheint die Übersetzung nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben, was sich besonders im ebenso umfangreichen wie umständlichen Optionsmenü bemerkbar macht.

Ergebnis



"Gauntlet Legends" bietet fürwahr ein archaisches Vergnügen. Solisten dürfte das ewig gleiche Monsterschlachten trotz der vier Schwierigkeitsgrade und der Speichermöglichkeit schon bald auf den Geist gehen, im Multiplayerspiel sorgen jedoch allein schon die Statistiken nach jedem Spielabschnitt für nette Streitereien: Wer hat das meiste Gold eingesackt, wer die meisten Monster erschlagen? Die untenstehende Note stellt somit einen Mittelwert für Spieler dar, die zumindest hin und wieder Besuch von heldenhaft veranlagten Freunden erhalten. Solisten dürfen getrost nochmals zwei Punkte abziehen, chronische Viererbanden ebensoviel addieren - sofern sie sich nicht an der bereits jetzt
wieder veralteten Technik stören. (Markus Ziegler)

Wertung